Berlin-Kopenhagen: 10. Etappe
10. Etappe: Wesenberg – Fürstenberg (50km)
Wegstrecke: Wesenberg – Neu Canow – Neuglobsow – Fürstenberg
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Hinweis: Im Vergleich zur Karte wurde die Streckenführung leicht abgeändert: der Weg führt nicht mehr über Steinförde Richtung Neuglobosow. Der Weg biegt schon vorher rechts ab. Änderung ist ausgeschildert.
Beschreibung: Allmählich verlässt der Weg die mecklenburgische Seenplatte. Heute ist der Weg recht hügelig und führt überwiegend durch bewaldetes Gebiet. Nach etwa 23 km erreichen wir Großmenow. Hier queren wir die Landesgrenze und befinden uns ab jetzt im Bundesland Brandenburg. Über Neuglobsow mit dem sagenumwobenen Stechlinsee radeln wir bis Fürstenberg / Havel. Kirche und Marktplatz sind zwar renoviert worden, ansonsten macht der Ort einen trostlosen Eindruck. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass die Stadt während der letzten Jahre immer militärischer Stützpunkt gewesen ist – eine Einnahmequelle die jetzt fehlt. Schon 1915 wurden 160 russische und französische Gefangene nach Fürstenberg gebracht, die gemäß der Haager Landkriegsverordnung interniert werden mussten. Zwei Jahrzehnte später wurde von ortsansässigen Firmen das Frauen-Konzentrationslager im Stadtteil Ravensbrück errichtet. Nach dem zweiten Weltkrieg okkupierte die Rote Arme den Großteil der Stadt – insbesondere die noblere Röblinsee-Siedlung. Rund um Ravensbrück finden sich noch heute zahllose russische Hinterlassenschaften: Schießplätze, Atombunker, Wohnanlagen. Die noch immer andauernde Konversion (also die Rückumwandlung in “normale” Stadtlandstaften) war Bestandteil des deutschen Beitrags zur EXPO 2000.
Die Jugendherberge befindet sich auf dem Geländes der Gedenkstätte Ravensbrück. Auf Wunsch der Überlebenden befindet sich die Anlage in den acht Häusern der ehemaligen SS-Wohnsiedlung, von der man direkt auf die KZ-Kommandatur blickt. Eine Übernachtung in diese JH wird nicht spurlos an einem vorübergehen. Das Geländes des ehemaligen KZs ist tagsüber frei zugänglich, außerdem informiert ein Museum über die hier inhaftierten Frauen. Von 1939 bis 1945 waren schätzungsweise 13200 Frauen, sowie in nahegelegen Kinder-KZ etwa 1000 weibliche Jugendliche inhaftiert. Die Frauen wurden zur Zwangsarbeit eingesetzt, vor allem bei der Firma Siemens, die große Produktionsstätten in KZ-Nähe errichten ließ.
Zwischen 50000 und 92000 Frauen fanden in Ravensbrück und in den mehr als 70 Außenlagern den Tod – durch unmenschliche Arbeitsbedingungen, Hunger, Seuchen, medizinische Versuche, Erschießungen, Giftgas und Misshandlungen. Nach dem Bau einer Gaskammer Ende 1944 ließ die SS in den letzten Monaten ihrer Herrschaft 4000 bis 5000 Häftlinge in Ravensbrück vergasen. Ab Winter 1944/1945 nutze die SS das Lager als Vernichtungslager für kranke und nicht arbeitsfähige Häftlinge. Zehntausende von Frauen trieb die SS zum Kriegsende auf die berüchtigten Todesmärsche.
Am 30. April 1945 befreite die Rote Armee 3000 zurückgebliebene Häftlinge.