Beitrags-Archiv zum Thema 'Musikalisches'

The Boat That Rocked

Montag, 16. November 2009 16:44

Deutscher Titel: Radio Rock Revolution
Regie & Buch: Richard Curtis
IMDb, Rating: 7.6

Vorneweg: eigentlich war der Film ganz ok.

Aber trotzdem für mich größte filmische Enttäuschung des Jahres. Warum? Eigentlich war doch alles perfekt. Regie und Drehbuch stammen von Richard Curtis, der sich nicht nur als (Mit-)Erzeuger von Blackadder und Mr. Bean einen Namen gemacht hat, sondern der mit Love Actually eine der schönsten und unterhaltsamsten Romantic Comedies dieses Jahrzehnts gedreht hat.
Und dann eine Traum-Besetzung, in der große Teile der Crème de la Crème Großbritanniens versammelt sind: Kenneth Brannagh, Emma Thompson, Bill Nighy, (Bond-Girl) Gemma Arterton und Nick Frost. Außerdem Rhys Ifans, Philip Seymour Hofmann sowie Talulah Riley. Letztere steht nicht umsonst auf meiner TOP5-Young-Pretty-Brits-To-Watch-Out-For-Liste.
boatthatrocked
[...]

Thema: Cineastisches, Musikalisches | Kommentare (0) | Autor: Bene

Opernglas: Hänsel und Gretel

Freitag, 6. November 2009 7:42

Engelbert Humperdinck: Hänsel und Gretel
Oper in drei Akten
Libretto: Adelheid Wette
Uraufführung am 23.12.1893 in Weimar

Als ich ein kleines Kind war, durften mir meine Eltern Hänsel und Gretel nicht vorlesen. Warum? Ich weiß es nicht. Aber es ist klar, dass man nach einer Geschichte, die von kinderfressenden Hexen und bösen Eltern, die ihre Kinder im Wald aussetzen, handelt, nicht besonders gut einschlafen kann…

Sandmann (Myung-Hee Hyun), Hänsel (Regina Richter) und Gretel (Claudia Rohrbach) allein im dunklen Wald. Inszenierung von Jürgen Rose an der Oper Köln. Foto:  Klaus Lefebvre.

Sandmann (Myung-Hee Hyun), Hänsel (Regina Richter) und Gretel (Claudia Rohrbach) allein im dunklen Wald. Inszenierung von Jürgen Rose an der Oper Köln. Foto: Klaus Lefebvre.

In Humperdincks Oper haben die Eltern eine viel komplexere Rolle. Humperdincks Mutter ist – im Gegensatz zu der Grimm’schen – nicht böse – das wäre zu einfach. Die Mutter ist eine Frau, die zeitweise mit der Erziehung ihrer Kinder, mit dem Leben, völlig überfordert ist. Sie kommt abends nach einem langen Tag harter Arbeit nach Hause. Sie hast viel geschuftet, aber nicht viel verdient. Sie sieht, das die Kinder herumtoben, das ganze Haus ist verwüstet. Sie weiß, dass bald der Vater nach Hause kommen wird, vermutlich besoffen, auch er kein Geld in der Tasche. Die Mutter ist wütend, verzweifelt, sie gerät in Rage. Und als sie dann zu guter Letzt den Milchtopf zerschlägt, ist es völlig mit ihrer Contenance vorbei – sie wird wütend. Sie ist fertig mit dem Leben und weiß nicht mehr weiter, weiß nicht mehr, wie sie das Leben bewältigen soll. Die Familie hat weder Geld noch Essen, sie hungert schon seit langem. Hänsel und Gretel habend das Pech, da zu sein – die Mutter will ihnen nichts böses, aber an irgendwem muss sie ja ihren Zorn auslassen. Die faulen Kinder kommen ihr da als Sündenbock gerade recht. Und mit der Vertreibung der Kinder in den Wald geht eine der brutalsten Szenen der Oper ihrem Ende zu; die Mutter singt „Dann hau’ ich euch, bis ihr fliegt an die Wand!“
[...]

Thema: Musikalisches | Kommentare (0) | Autor: Bene

Nikolai Kapustin

Samstag, 31. Oktober 2009 9:28

Nikolai Kapustin

Nikolai Kapustin

Nikolai Kapustin wurde 1937 in Gorlovka (Ukraine) geboren. Bis 1961 studierte er Klavier bei Alexander Goldenweiser am Moskauer Konservatorium. Sein Untericht war sehr traditionell, Schwerpunkt war die virtuose russische Klavierliteratur.
Schon in jungen Jahren spielte die Jazzmusik eine große Rolle für Kapustin. In den späten 50er Jahren machte er sich einen Namen in der russischen Jazzwelt (er spielte unter anderem mit Yuri Saulsky’s Central Artists’ Club Big Band in Moskau). Später tourte er mit Oleg Lundstrem’s Jazz Orchestra durch die Sowjetunion.

Während Nikolai Kapustin in seinen frühen Jahren überwiegend Orchesterkompositionen und Klavierkonzerte geschrieben hat, konzentrierte sich sein Schaffen in den letzen Jahren auf Werke für Solo-Klavier.
Hört man die Kompositionen Kapustins zum ersten Mal, so könnte man auf die Idee kommen, es handle sich um Jazz-Musik. Dies ist aber strenggenommen falsch, da seinen Werken eines der wesentlichen Elemente der Jazz-Musik, nämlich die Improvisation fehlt. Kapustins Werke sind bis ins kleinste Detail auskomponiert, jede 32stel jeder Vorschlag, jeder Triller, jedes Glissando, jede noch so komplizierte Rhythmusverschiebung ist notiert.

Kapustin verwendet also rhythmische und harmonische Elemente der Jazz-Musik, fügt diese aber zu ganz eigenen hochvirtuosen Kompositionen zusammen. Dabei verwendet er jedoch die Formensprache der Klassik und des Barock. Seine Klaviersonaten (und auch die Sonatine Op. 100) sind in strenger Sonatenhauptsatzform komponiert; seine Suite In the Old Style (1977) ist vom formalen Aufbau identisch mit einer Suite der Barockzeit. Die einzelnen Suitenteile sind betitelt mit: Allemande – Gavotte – Sarabande – Bourée – Gigue.

Kapustins Klavierwerke haben ein sehr hohes spielerisches Niveau, da der Pianist durch sehr schnelle Tempi und komplizierte Rhythmen herausgefordert wird. Einsteigern sei die (nicht allzu schwere) Sonatine Op. 100 empfohlen. Die Sonate ist (wie fast alle anderen seiner Klavierwerke) kostenlos bei pianofiles.com erhältlich.

Wer sich das Werk Kapustins zunächst hörend erschließen will, der sollte vielleicht mit seinen grandiosen Concert Studies Op. 40 (1984) für Klavier beginnen. Der kanadische Pianist Marc-André Hamelin hat das Stück (neben mehreren anderen Stücken, auch die Suite In the Old Style) für Hyperion eingespielt. Die CD ist sehr zu empfehlen.

Thema: Musikalisches | Kommentare (0) | Autor: Bene