Opernglas: Hänsel und Gretel
Freitag, 6. November 2009 7:42
Engelbert Humperdinck: Hänsel und Gretel
Oper in drei Akten
Libretto: Adelheid Wette
Uraufführung am 23.12.1893 in Weimar
Als ich ein kleines Kind war, durften mir meine Eltern Hänsel und Gretel nicht vorlesen. Warum? Ich weiß es nicht. Aber es ist klar, dass man nach einer Geschichte, die von kinderfressenden Hexen und bösen Eltern, die ihre Kinder im Wald aussetzen, handelt, nicht besonders gut einschlafen kann…

Sandmann (Myung-Hee Hyun), Hänsel (Regina Richter) und Gretel (Claudia Rohrbach) allein im dunklen Wald. Inszenierung von Jürgen Rose an der Oper Köln. Foto: Klaus Lefebvre.
In Humperdincks Oper haben die Eltern eine viel komplexere Rolle. Humperdincks Mutter ist – im Gegensatz zu der Grimm’schen – nicht böse – das wäre zu einfach. Die Mutter ist eine Frau, die zeitweise mit der Erziehung ihrer Kinder, mit dem Leben, völlig überfordert ist. Sie kommt abends nach einem langen Tag harter Arbeit nach Hause. Sie hast viel geschuftet, aber nicht viel verdient. Sie sieht, das die Kinder herumtoben, das ganze Haus ist verwüstet. Sie weiß, dass bald der Vater nach Hause kommen wird, vermutlich besoffen, auch er kein Geld in der Tasche. Die Mutter ist wütend, verzweifelt, sie gerät in Rage. Und als sie dann zu guter Letzt den Milchtopf zerschlägt, ist es völlig mit ihrer Contenance vorbei – sie wird wütend. Sie ist fertig mit dem Leben und weiß nicht mehr weiter, weiß nicht mehr, wie sie das Leben bewältigen soll. Die Familie hat weder Geld noch Essen, sie hungert schon seit langem. Hänsel und Gretel habend das Pech, da zu sein – die Mutter will ihnen nichts böses, aber an irgendwem muss sie ja ihren Zorn auslassen. Die faulen Kinder kommen ihr da als Sündenbock gerade recht. Und mit der Vertreibung der Kinder in den Wald geht eine der brutalsten Szenen der Oper ihrem Ende zu; die Mutter singt „Dann hau’ ich euch, bis ihr fliegt an die Wand!“
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Thema: Musikalisches | Kommentare (0) | Autor: Bene