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Nikolai Kapustin

Samstag, 31. Oktober 2009 9:28

Nikolai Kapustin

Nikolai Kapustin

Nikolai Kapustin wurde 1937 in Gorlovka (Ukraine) geboren. Bis 1961 studierte er Klavier bei Alexander Goldenweiser am Moskauer Konservatorium. Sein Untericht war sehr traditionell, Schwerpunkt war die virtuose russische Klavierliteratur.
Schon in jungen Jahren spielte die Jazzmusik eine große Rolle für Kapustin. In den späten 50er Jahren machte er sich einen Namen in der russischen Jazzwelt (er spielte unter anderem mit Yuri Saulsky’s Central Artists’ Club Big Band in Moskau). Später tourte er mit Oleg Lundstrem’s Jazz Orchestra durch die Sowjetunion.

Während Nikolai Kapustin in seinen frühen Jahren überwiegend Orchesterkompositionen und Klavierkonzerte geschrieben hat, konzentrierte sich sein Schaffen in den letzen Jahren auf Werke für Solo-Klavier.
Hört man die Kompositionen Kapustins zum ersten Mal, so könnte man auf die Idee kommen, es handle sich um Jazz-Musik. Dies ist aber strenggenommen falsch, da seinen Werken eines der wesentlichen Elemente der Jazz-Musik, nämlich die Improvisation fehlt. Kapustins Werke sind bis ins kleinste Detail auskomponiert, jede 32stel jeder Vorschlag, jeder Triller, jedes Glissando, jede noch so komplizierte Rhythmusverschiebung ist notiert.

Kapustin verwendet also rhythmische und harmonische Elemente der Jazz-Musik, fügt diese aber zu ganz eigenen hochvirtuosen Kompositionen zusammen. Dabei verwendet er jedoch die Formensprache der Klassik und des Barock. Seine Klaviersonaten (und auch die Sonatine Op. 100) sind in strenger Sonatenhauptsatzform komponiert; seine Suite In the Old Style (1977) ist vom formalen Aufbau identisch mit einer Suite der Barockzeit. Die einzelnen Suitenteile sind betitelt mit: Allemande – Gavotte – Sarabande – Bourée – Gigue.

Kapustins Klavierwerke haben ein sehr hohes spielerisches Niveau, da der Pianist durch sehr schnelle Tempi und komplizierte Rhythmen herausgefordert wird. Einsteigern sei die (nicht allzu schwere) Sonatine Op. 100 empfohlen. Die Sonate ist (wie fast alle anderen seiner Klavierwerke) kostenlos bei pianofiles.com erhältlich.

Wer sich das Werk Kapustins zunächst hörend erschließen will, der sollte vielleicht mit seinen grandiosen Concert Studies Op. 40 (1984) für Klavier beginnen. Der kanadische Pianist Marc-André Hamelin hat das Stück (neben mehreren anderen Stücken, auch die Suite In the Old Style) für Hyperion eingespielt. Die CD ist sehr zu empfehlen.

Thema: Musikalisches | Kommentare (0) | Autor: Bene